Projekt Minimalismus – in 365 Schritten

100.000 Dinge hat ein durchschnittlicher Haushalt in Europa. Diese Zahl geistert immer wieder durchs Internet und Foren und Facebook Gruppen. Inzwischen lese ich auch immer häufiger die Zahl 300.000. Ist das nicht einfach unvorstellbar? Und auch wenn ich das nicht glauben möchte … ich habe mal angefangen zu zählen… und ziemlich schnell wieder aufgegeben.

Die Situation bei uns ist im Moment sowieso absolut unübersichtlich. Während meines Studiums hatte ich zum Teil arbeitsbedingt 2 Wohnungen plus die Wohnung die ich mit meinem Freund bewohnt habe. Das wurde dann irgendwann zu einer kombiniert. Während aber natürlich noch Dinge von mir bei meinen Eltern lagerten.

Wir sind dann später zusammen in eine andere Stadt gezogen während gleichzeitig meine Schiegermutter ihren Hausstand aufgelöst hat. Und wir haben die letzten 2 Jahre auf einer, immer kleiner werdenden, Baustelle gewohnt. Das heißt, viele unserer Dinge haben (zum Glück) Unterschlupf in der Scheune meiner Eltern gefunden. Aber die soll auch irgendwann mal wieder leer werden. Ach und habe ich erwähnt, dass während dem ganzen auch noch eine Firma aufgelöst wurde? … Also ich würde definitiv nicht abstreiten, dass wir 300.000 Dinge besitzen.

 

Warum ich meine Dinge aussortieren will?

 

Warum habe ich jetzt also beschlossen, dass ich dieses Jahr nutzen werde um mich von unnützem Ballast zu befreien? Weil ich es genau so empfinde. Als Entlastung und Befreiung. Und mehr Leichtigkeit kann uns doch allen nicht schaden oder?

Außerdem kursieren so viele tolle Versprechungen zum Thema Minimalismus und Downsizing. Da nimmt man automatisch ab, hat auf einmal viel mehr Freizeit und ist schlicht und ergreifend glücklicher. Und das klingt doch super, wenn ich im Gegenzug dazu einfach nur ein paar Dinge weg werfen muss oder? Besonders die Aussicht auf mehr Zeit die ich nicht mit aufräumen, suchen, putzen verbringen muss … paradiesisch!!!

Nur leider passiert das ja dann doch nicht so einfach wie man es sich ausmalt. Deswegen habe ich mir ein paar Regeln dazu ausgedacht.

 

Meine Spielregeln

 

Vielleicht habt Ihr schon auf meinem Instagram-Account gesehen, dass ich jeden Tag ein Bild von einem scheinbar willkürlich ausgewählten Gegenstand poste. Oder auch von mehreren.

Das sind alles Dinge, von denen ich mich trennen werde. Werde, da ich sie in den meisten Fällen erst einmal in einer Kiste sammele und tatsächlich noch auf der Suche nach einem sinnvollen Zielort bin. Dazu weiter unten mehr.

Eigentlich gibt es nur eine: Jeden Tag kommt etwas weg. Müll zählt dabei grundsätzlich erst mal nicht dazu, es sei denn es ist etwas, was schon lange zu irgendeinem bestimmten Zweck aufgehoben wurde und nun entweder nicht mehr zu gebrauchen ist, oder das Projekt gestrichen wurde.
Ich trenne dabei nach Dinge bei denen es sich für mich lohnt sie zum Verkauf zu stellen und Dingen die ich spenden möchte. Die Verkaufsgegenstände kommen erstmal in eine extra Box und werden dann nach und nach online gestellt. Werden sie da nicht innerhalt einer gewissen Zeit verkauft, wandern sie auch in die Spendenbox.

Mit 2 kleinen Kindern kommen natürlich auch eine riesen Menge an Kleidungsstücken zusammen. Hier trenne ich nach Dingen, die ich so schön finde, dass ich sie gerne an liebe Freunde weitergebe und der Rest kommt in den second hand Laden. Soweit sie dazu noch gut genug sind.

Mehr Regeln gibt es eigentlich nicht. Die 365 Tage werde ich nicht mehr ganz vollkriegen, da ich tatsächlich schon einen Tag dabei hatte, an dem ich es schlicht vergessen habe. Aber da ich ja an anderen Tagen auch schon mehr aussortiert habe gönne ich mir das einfach mal. Ich weiß auch jetzt schon, dass noch Tage dazu kommen werden, z.B. wenn ich mal in den Urlaub fahre oder so etwas. Obwohl ich zumindest an den Wochenenden an denen ich zu meinen Eltern fahre auch immer etwas zum Aussortieren finden werde. Zum einen, weil tatsächlich noch so viel Zeug von mir dort ist. Und zum anderen, weil meine Mutter im Moment auch dabei ist und wir das manchmal ganz gut zusammen machen können.

Aussortierter Gegenstand vom 13. Januar 2018

Dinge des Mannes

 

Der Plan ist ja bisher so ganz schön, allerdings lebe ich nicht alleine und kann nicht nach Herzenslust entsorgen was ich nicht brauche (da könnte ich schnell viiiiiiiel Zeug entsorgen, nämlich so gut wie alles was mir nicht gehört ^^°)

Und eben die Situation mit meiner Mutter macht es mir gerade zusätzlich schwer. Sie verkleinert sich von einem ziemlich großen Haus und hat leider das selbe Hobby wie mein Mann: Kochen! Und er darf sich wie in einem großen Kaufhaus alles mit nehmen was er möchte (Das Spektakel ist auf seinem Instagram-Account @fluffy_amateurfood zu bewundern) Und er hat noch nicht mal alles gesehen… Dabei ist unsere Küche doch jetzt schon zu voll.

Ich profitiere natürlich davon, gerade eben steht er in der Küche und probiert den neu „erworbenen“ Fleischwolf aus und ich weiß, dass es morgen etwas wahnsinnig tolles zu essen geben wird. Aber wir haben inzwischen so viele Spezialgeräte, dass die meisten davon die meiste Zeit gar nicht genutzt werden können …
Aber Sie gehören mir nicht. Daher kann ich sie auch nicht entsorgen. Vielleicht muss ich das dieses Jahr einfach noch ein bisschen verinnerlichen 😉 Und erfahrene Entsorgerinnen sprechen manchmal vom Wunder der Bekehrung durch gutes Vorbild. Na wir werden sehen. Aber erstmal habe ich ja genug eigene Sachen um die ich mich kümmern kann.

 

Wohin mit meinen Sachen?

 

Ich habe eben dem lokalen Sozialkaufhaus eine E-Mail geschrieben und hoffe, dass die meine Sachen nehmen. Ich habe nämlich auch schon versucht einzelnes selber auf Facebook zu verschenken aber ohne Erfolg. Ich weiß nicht ob es übersehen wurde, uninteressant ist oder den Leuten zu aufwändig es abzuholen.

Für meine Kleidung habe ich zum Glück schon eine gute Adresse gefunden. Die bringe ich soweit sie noch einwandfrei ist zum Second Hand Laden der Caritas. Auch Schuhe kann man da abgeben. Und ich freue mich immer, wenn ich wieder mal dort bin und etwas von meinen Sachen sehe. Ich habe inzwischen schon einige Kisten und Tüten dort abgegeben und ich habe das Gefühl es nimmt kein Ende. Echt schrecklich. Aber ich muss auch zugeben, dass ich mir im Second Hand Laden auch erst zwei Teile geholt habe. Aber ich bin gerade dabei, das Konzept Capsule Wardrobe für mich zu testen und ich hoffe, dass dann alles besser wird.

Ein besonderes Thema sind Bücher. Für Bücher gibt es ja immer die viel gepriesenen Ankaufportale im Internet. Aber je nach Portal, kann es passieren, dass für Fachbücher, die 129 Euro neu kosten, auch in tadellosem Zustand nur ein paar Cent geboten werden. Da streike ich dann. Überhaupt mache ich mir bei Büchern, die mir einen Centbetrag bringen, gar nicht die Mühe sie irgendwo hin zu schicken und dann eventuell noch Abzüge wegen Qualitätsmängeln oder so etwas zu kriegen.

Ich nutze im Moment die App „Wer zahlt mehr“ um meine aussortierten Bücher zu überprüfen und habe jetzt schon mehrere Stapel die ich demnächst an die verschiedenen Portale verschicken muss. Sobald ich das gemacht habe werde ich meine Erfahrungen gerne mit euch teilen. Bisher habe ich erste einmal Bücher verkauft. Das war damals Studibuch und ich war super zufrieden. Soweit ich mich erinnere waren es 4 oder 5 Bücher und ich habe fast 30 Euro bekommen. Klar hätte ich womöglich bei einem direkt verkauf viel mehr rausholen können aber das hätte unter Umständen auch mehrere Monate dauern können. Und solang will ich die aussortierten Bücher ja nicht beherbergen.

 

Viele Methoden führen zum Minimalismus

 

365 Dinge sind jetzt für ein ganzes Jahr auch nicht wirklich viel, vor allem wenn wesentlich mehr rein kommt. Ich habe auch schon ein Project 3000 gesehen, bei dem 3000 Dinge entsorgt werden sollen. Dazu gibt es wohl auch eine Gruppe auf Facebook die ich leider nicht finde. Und dann gibt es noch das #minsgame, oder die KonMari Methode (eine Beschreibung findest du hier), oder Packing Parties, oder Swedish Death Cleaning, oder oder oder.

Ich denke ich werde noch ein paar von diesen Methoden ausprobieren und euch dann jeweils berichten was für mich das effektivste war. Wie macht ihr das denn? Welche Methode gefällt euch am besten? Und wie schützt ihr euch vor der Flutwelle an Dingen die unbedingt in euren Schränken und Regalen wohnen wollen?

Liebe Grüße
Laura

PS: Minimalist werde ich nie, dafür hab ich zu viele Hobbies.

 

4 Gedanken zu „Projekt Minimalismus – in 365 Schritten

  1. Auf deine Erfahrungen mit den Bücherportalen bin ich ja mal gespannt!

    Ansonsten bleibt zu sagen ich schütze mich nicht sonderlich gut vor den Flutwellen an Sachen die bei mir wohnen wollen…
    Besitze einfach viel zu viel und müsste dringend ebenfalls Dinge los werden.
    Aber das ist so schwer 😅

    1. Ich habe mir fest vorgenommen die Bücher noch diesen Monat weg zu schicken. Dann kann ich hoffentlich möglichst bald berichten.
      Ich kann gern mal vorbei kommen, bei anderen ist das ja immer einfacher *lol* aber ich finde es bringt gar nix jemandem zu erzählen was er loswerden soll. Da wird keiner glücklich dabei. Ich komm einfach mal so vorbei und bring Kuchen mit 😉

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